Krise? welche Krise? In Spanien scheint man davon
nichts mitbekommen zu haben. Im Gegenteil. Das Immobiliengeschaft
brummt. An der Küste wird geplant, gebaggert,
gebaut. Allerorts Kräne, Baulaster und emsige
Arbeiter. Überall entstehen Villenresorts, Apartmentanlagen,
Geschäftshauser.
Und die Preise steigen und steigen. Letztes Jahr allein
in den Regionen Valencia und Murcia um satte 14,6
Prozent. In den Jahren davor war es ahnlich.
Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte,
die sich an dies en Mittelmeerküsten abspielt.
Ein Beispiel von der Costa Blanca: Für ein Ferienhaus
in guter Lage mit 120 Quadratmetern Wohnflache auf
einem Grundstiick von 700 Quadratmetern zahlte man
Anfang der siebziger Jahre 40.000 DMark, Anfang der
achtziger Jahre waren es 90.000 D-Mark, Anfang der
neunziger Jahre 180.000 D-Mark. Jetzt werden solche
Hauser fUr 250.000 gehandelt. Euro! Im Durchschnitt
sind die Preise in den letzten 30 Jahren urn mehr
als sieben Prozent per annum gestiegen.
Wie lässt sich das begründen? Zwar hat sich
die Bauqualität enorm verbessert: Heute entspricht
sie mitteleuropaischem Standard, in den Anfangen waren
es hingegen eher billige, schnell hochgezogene Bauten
ohne jegliche Isolierung und grossen Komfort. Aber
das allein rechtfertigt nicht solche Wertsteigerungen.
Es ist wie so oft ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren,
das diesen Boom ausmacht.
Die elementaren Grundpfeiler fUr
die Entwicklung sind das angenehme Klima, die Lage
am Wasser, die gute Erreichbarkeit, die Infrastruktur,
die politische und wirtschaftliche Stabilitat. Ausser
Spanien haben nicht allzu viele Lander am Mittelmeer
Vergleichbares' zu bieten. Spaniens Klisten - und
speziell die Costa Blanca - sind das Florida Europas.
Bauland mit Meerblick ist nun mal nicht vermehrbar,
es wird immer begehrter und immer teurer. Es gibt
also tatsachlich keinen Grund, warum ein Haus in gesegneter
Sonnenlage günstiger sein sollte als eines an
der Ostseeküste.
Auch einige andere Faktoren beschleunigten
die Wertentwicklung: zum Beispiel der Euro. Noch starker
als in Deutschland gewinnt der Besucher in Spanien
den Eindruck, dass die Einführung des Euro eine
versteckte Währungsreform war. Bei der Preisumstellung
wurde dreist aufgerundet. Besonders deutlich wird
dies bei den kleinen Dingen des Lebens: Vor dem Euro
kostete ein cafe con leche 125 Pesetas, umgerechnet
waren das damals knapp 1,50 Mark. Heute zahlt man
1,25 Euro, also über 40 Prozent mehr. Auch die
Restaurants scheinen der Einfachheit und der Gelegenheit
halber einen neuen Umrechnungskurs ermittelt zu haben:
100 Pesetas gleich ein Euro. 
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